Uhlandstraße 173/17410719 BerlinTelefon (0 30) 8 83 77 77info@gabriele-hoffmann.de 


"Eine Sache hat immer mindestens drei Seiten: eine die Sie sehen, eine, die z.B. Ihr Gesprächspartner sieht, und eine, die sie beide nicht sehen."
(chinesisches Sprichwort)

Fall des Monats

Süßer die Glocken
nie klingen ...

Wo’s menschelt – da teufelt’s.


Alle Jahre wieder, ausgerechnet zum Fest der Liebe, wird diese amüsant-eingängige Volksweisheit vielerorts mit traurigem Leben erfüllt,- leider.


Meine Klientin Claudia kann davon ein betrübliches Weihnachtslied singen. Sie hat im Frühjahr letzten Jahres ihren neuen Freund kennen und lieben gelernt und ist nach sechs Monaten zu ihm in sein Haus gezogen. Claudia ist eine tüchtige und gefragte Bildmischerin beim Fernsehen, Freund Andreas ein erfolgreicher Unternehmer. Beide freuten sich auf das erste gemeinsame Weihnachten.


Andreas hatte, – das eröffnete er Claudia kurz vor’m Fest, dann aber auch noch seine Ex-Frau Kerstin und die beiden Kinder Anne und Lars eingeladen, wie das in den Jahren nach seiner „glücklichen“ Scheidung Tradition geworden war.

 

Als Claudia den Sinn dieser Weihnachtsrunde anzweifelte, ja, sie als regelrechte Zumutung empfand und lieber woanders feiern wollte, beschied Freund Andreas mit befehlsgewohnter Chefstimme: „Meine Familie soll wissen, dass wir beide jetzt zusammen gehören“. So kam es wie es Claudia befürchtet hatte: es fehlte nicht an ebenso nervigen wie beziehungsreichen Erinnerungen von Ex-Frau Kerstin an vergangene, glückliche Ehezeiten, und es fehlte nicht an spitzen Bemerkungen und kritischen Blicken über Zustand und Einrichtung des einst gemeinsamen Heimes, in dem Claudia nun Regie führt.

 

 

Pünktlich zur Weihnachtsgans, gesellte sich dann auch noch Andreas’ resolute Mutter zum gebrochenen Familienidyll. Der neuen Freundin ihres Filius ließ sie deutlich spüren, dass diese der Fremdkörper in der lichtvollen Ex-Familienrunde war. Als sich Claudia schließlich weitere Sticheleien von Ex-Frau Kerstin verbat, war endlich der Teufel unterm Weihnachtsbaum los. Der Wortwechsel eskalierte zum ausgewachsenen Familienkrach,- jeder gegen jeden, - und am Ende gab es Tränen, Frust und viele Zweifel.


Was bei Claudia die Ex und die resolute Mutter ihres Freundes sind, sind anderswo Tante Uschi, Vetter Franz, oder Schwester Hildegard, die Weihnachten dabei sind, weil sie schon immer dabei waren, obwohl sie eigentlich das Zusammensein mit dem geliebten Menschen stören. Da sitzt man dann in der Weihnachts-Ritualfalle, und echte Behaglichkeit will sich einfach nicht einstellen.
Claudia jedenfalls,- ich bestärke sie darin ausdrücklich,- dringt in diesem Jahr auf ein ‚Entflechtungs-Abkommen’ wie in der großen Politik…! Claudia wird zu Andreas sagen: „Du feierst Heilig Abend mit Deinen Leuten, und ich gehe zu meiner Mutter. Ab Ersten Feiertag sind wir dann ganz ungestört für uns.“ Es spricht nichts gegen die Qualität einer neuen Beziehung, wenn man zunächst mal gewachsene, familiäre Bindungen auf Seiten des Partners respektiert und sich von einem komplizierten Weihnachtsfest zurückzieht, um sich nicht instrumentieren zu lassen. Fürs nächste Jahr allerdings erwartet Claudia, dass Andreas ihr zu Liebe seine „Weihnachts-Traditionen“ überwindet und ohne ex-familiären Beistand nur mit ihr feiert. Andernfalls muß sie doch überlegen, ob sie mit dem richtigen Partner zusammen lebt…

 

Viele Alleinstehende unter Ihnen, liebe Leser, werden jetzt sagen: „Na, die haben Sorgen, - n’bisschen Streß unterm Weihnachtsbaum ist doch allemal besser als allein zu feiern!....“ Da bin ich völlig anderer Meinung! Alleinsein birgt die wunderbare Chance, der Ein-sam-keit zu entfliehen! Hören Sie mal auf das Wort „all-ein“: Es will Ihnen sagen, dass man mit allem eins sein darf, - dass man mit sich sowie mit den Dingen und Situationen all-ein-ig werden kann, - wenn, ja wenn Sie nicht mit Ihrem Schicksal hadern und sich nicht selbst bemitleiden. Feiern Sie Weihnachten bewußt all-einig! Ob gläubig oder nicht: versuchen Sie doch einmal, Weihnachten einfach in eine Kirche zu gehen. Der Liebe Gott schaut gewiß nicht in die Mitgliedsliste! Bei Orgelmusik, Gesang und Andacht können sie wunderbar zu sich selbst finden, Trost und Zuversicht erlangen. Bescheren Sie sich danach selbst, kochen Sie sich was Schönes, pflegen Sie ihre Seele mit schöner Musik, einem Glas Wein oder Punsch und einem schönen Fernsehprogramm. Wenn dann vom Nachbarn nebenan der weihnachtliche Familienkrach herüberschallt, dann wissen Sie: „Süßer die Glocken nie klingen, - bei mir allein.“


Ihrer Zukunft alles Gute und Frohe Weihnachten!


Ihre Gabriele Hoffmann